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Agentur Löwenherz: Singlebörsen Abzocke als Nebenverdienst.

18 November 2008 343 mal gelesen. Eine Lesermeinung

Nun bin ich ja schon einiges gewöhnt. Aber gestern abend hat es mir “den Nuggi rausgehauen”, wie man hier so schön sagt.

Der Kampf gegen die sogenannten “Fakes”, also angebliche Singles, die in Wirklichkeit keine sind und nur an Ihr Geld wollen, ist für jeden halbwegs seriösen Singlebörsenbetreiber eine (über)lebenswichtige Aufgabe.

Denn nur wenn der Fake-Anteil in der Mitglieder-Datenbank so gering wie möglich ist, fühlen sich die echten Mitglieder wohl. Wenn die Zahl der bei uns im Jargon “Webnutten” genannten Profile ein gewisses Mass überschreitet, wandern die Mitglieder ab - schlecht für uns.

Gestern Abend überprüfte ich also mal wieder die Protokolldateien des Webservers, auf dem unsere Singlebörse läuft. Dabei fielen mir einige Zugriffe mit der Herkunft einer Agentur mit dem Namen Löwenherz auf. Neugierig wie nunmal bin - immer auf der Suche nach Neuem - klickte ich diesen sog. Referrer einfach mal an. Und was ich sah, machte mich innert Sekunden wütend…

Diese Agentur bietet Jobs als Faker an.
Man (oder auch Frau) kann sich dort als sogenannte “IKM-Schreiber” registrieren und muss dann, unterstützt durch die Agentur, in verschiedene Singlebörsen (auch in unsere!) Fake-Profile einbringen, die die männlichen Mitglieder dazu ermutigen sollen über ein teueres Callcenter mit den angeblichen Singlefrauen in Kontakt zu treten.

Auf deren Homepage klingt das dann so:

IKM-Schreiber, was ist das?
IKM-Schreiber setzt sich aus der Abkürzung IKM und Schreiber zusammen.
IKM bedeutet Internet-Kontakt-Markt.
Also Internet-Kontakt-Markt-Schreiber.
Der IKM-Schreiber stellt von ihm erstellte Profile in unsere Kontaktmärkte ein.
Erstellt dazu phantasievolle und erotische Texte.
Beantwortet die Anfragen von Interessenten und leitet diese auf die Servicerufnummern.
Ein geschultes Callcenter nimmt die Anrufe der Kunden entgegen.
Und der IKM-Schreiber verdient für jede Telefonminute.

es geht noch weiter mit der Handlungsanweisung für Bewerbung und eine Art Probelauf:

(..)
5. Sie bekommen von uns nach erster Kontaktaufnahme Arbeitsmaterial für ein erstes Testprofil.
6. Schicken Sie uns dieses Profil bitte zur Überprüfung zu.
7. Nach Überprüfung bekommen Sie von uns Ihren Testmonatvertrag.
8. Sie bekommen von uns eine Schulung und einen Zugang zu Ihrer Onlinestatistik.
9. Erstellen Sie mindestens 3 Profile pro Woche und stellen Sie diese in mindestens 30 Kontaktmärkte.
10. Beantworten Sie die Mails der Interessenten und bewerben Sie Ihre Kontakt-Durchwahlnummern.

Selbstverständlich haben wir das gesamte Material gesichert und technische Vorkehrungen getroffen, das Mitarbeiter dieser Agentur keinen Zugang mehr zu unserem Angebot erhalten. Ausserdem haben wir uns befreundete Medien auf die Tätigkeit dieser Agentur hingewiesen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass solchen Anbietern der Stecker gezogen gehört!
Leider bin ich kein Anwalt, aber mich würde mal interessieren,  ob das als Privat getarnte Einbringen einer Kontaktanzeige zum Zweck der Gewinnerzielung und ohne echte Kontaktabsicht nicht so etwas wie simpler Betrug ist!? Der Nachweis des Vorsatzes und der Gewerbsmässigkeit sollte ja erbracht sein…

Vielleicht findet sich ja unter unseren Lesern ein Anwalt!?

Nachtrag:
Mittlerweile berichtet auch der grosse Singleboersen Vergleich von Henning Wiechers in deren Online-Dating Blog über die Agentur Löwenherz und das seltsame Geschäftsmodell der IKM-Schreiber. Dort finden sich interessante Screen-Shots mit internen Auflistungen der von den IKM-Scheibern heimgesuchten Kontaktbörsen.

Eine Lesermeinung »

  • Nebenjob-Heimarbeit meint:

    Die Kreativität mancher Abzocker kennt keine Grenzen. In diesem Beispiel besteht für die Betreiber dieser Agentur keinerlei finanzielles Risiko, da die Schreiber nur bezahlt werde, wenn tatsächlich ein Anruf getätigt wird.

    Wie die Sache rechtlich aussieht, ist sehr fraglich. Wer wäre dann eigentlich der Schuldige? Der Schreiber oder der Betreiber der Mehrwertnummer?

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