Agentur Löwenherz: Singlebörsen Abzocke als Nebenverdienst.
Nun bin ich ja schon einiges gewöhnt. Aber gestern abend hat es mir “den Nuggi rausgehauen”, wie man hier so schön sagt.
Der Kampf gegen die sogenannten “Fakes”, also angebliche Singles, die in Wirklichkeit keine sind und nur an Ihr Geld wollen, ist für jeden halbwegs seriösen Singlebörsenbetreiber eine (über)lebenswichtige Aufgabe.
Denn nur wenn der Fake-Anteil in der Mitglieder-Datenbank so gering wie möglich ist, fühlen sich die echten Mitglieder wohl. Wenn die Zahl der bei uns im Jargon “Webnutten” genannten Profile ein gewisses Mass überschreitet, wandern die Mitglieder ab – schlecht für uns.
Gestern Abend überprüfte ich also mal wieder die Protokolldateien des Webservers, auf dem unsere Singlebörse läuft. Dabei fielen mir einige Zugriffe mit der Herkunft einer Agentur mit dem Namen Löwenherz auf. Neugierig wie nunmal bin – immer auf der Suche nach Neuem – klickte ich diesen sog. Referrer einfach mal an. Und was ich sah, machte mich innert Sekunden wütend…
Diese Agentur bietet Jobs als Faker an.
Man (oder auch Frau) kann sich dort als sogenannte “IKM-Schreiber” registrieren und muss dann, unterstützt durch die Agentur, in verschiedene Singlebörsen (auch in unsere!) Fake-Profile einbringen, die die männlichen Mitglieder dazu ermutigen sollen über ein teueres Callcenter mit den angeblichen Singlefrauen in Kontakt zu treten.
Auf deren Homepage klingt das dann so:
IKM-Schreiber, was ist das?
IKM-Schreiber setzt sich aus der Abkürzung IKM und Schreiber zusammen.
IKM bedeutet Internet-Kontakt-Markt.
Also Internet-Kontakt-Markt-Schreiber.
Der IKM-Schreiber stellt von ihm erstellte Profile in unsere Kontaktmärkte ein.
Erstellt dazu phantasievolle und erotische Texte.
Beantwortet die Anfragen von Interessenten und leitet diese auf die Servicerufnummern.
Ein geschultes Callcenter nimmt die Anrufe der Kunden entgegen.
Und der IKM-Schreiber verdient für jede Telefonminute.
es geht noch weiter mit der Handlungsanweisung für Bewerbung und eine Art Probelauf:
(..)
5. Sie bekommen von uns nach erster Kontaktaufnahme Arbeitsmaterial für ein erstes Testprofil.
6. Schicken Sie uns dieses Profil bitte zur Überprüfung zu.
7. Nach Überprüfung bekommen Sie von uns Ihren Testmonatvertrag.
8. Sie bekommen von uns eine Schulung und einen Zugang zu Ihrer Onlinestatistik.
9. Erstellen Sie mindestens 3 Profile pro Woche und stellen Sie diese in mindestens 30 Kontaktmärkte.
10. Beantworten Sie die Mails der Interessenten und bewerben Sie Ihre Kontakt-Durchwahlnummern.
Selbstverständlich haben wir das gesamte Material gesichert und technische Vorkehrungen getroffen, das Mitarbeiter dieser Agentur keinen Zugang mehr zu unserem Angebot erhalten. Ausserdem haben wir uns befreundete Medien auf die Tätigkeit dieser Agentur hingewiesen.
Ich persönlich bin der Meinung, dass solchen Anbietern der Stecker gezogen gehört!
Leider bin ich kein Anwalt, aber mich würde mal interessieren, ob das als Privat getarnte Einbringen einer Kontaktanzeige zum Zweck der Gewinnerzielung und ohne echte Kontaktabsicht nicht so etwas wie simpler Betrug ist!? Der Nachweis des Vorsatzes und der Gewerbsmässigkeit sollte ja erbracht sein…
Vielleicht findet sich ja unter unseren Lesern ein Anwalt!?
Nachtrag:
Mittlerweile berichtet auch der grosse Singleboersen Vergleich von Henning Wiechers in deren Online-Dating Blog über die Agentur Löwenherz und das seltsame Geschäftsmodell der IKM-Schreiber. Dort finden sich interessante Screen-Shots mit internen Auflistungen der von den IKM-Scheibern heimgesuchten Kontaktbörsen.


Die Kreativität mancher Abzocker kennt keine Grenzen. In diesem Beispiel besteht für die Betreiber dieser Agentur keinerlei finanzielles Risiko, da die Schreiber nur bezahlt werde, wenn tatsächlich ein Anruf getätigt wird.
Wie die Sache rechtlich aussieht, ist sehr fraglich. Wer wäre dann eigentlich der Schuldige? Der Schreiber oder der Betreiber der Mehrwertnummer?
Hallo,
es handelt sich hier m. E. um einen Eingehungsbetrug nach §263 StGB. Es werden falsche Tatsachen mit Bereicherungsabsicht vorgetäuscht. Da es offensichtlich vielfach abläuft, kommt auch gewerblicher Betrug in Frage.
Für diese Handlungsweise gibt es unzählige Bespiele. Bei {XXXXXXX} werden sogar korrekt eingestellte Profile von Betreibern beantwortet und damit Männer angeschrieben, ohne dass die Damen was davon wissen.
MFG
Red.:
{XXXXXXX} = Unkenntlichmachung des genannten Anbieters, weil wir dazu nichts sagen können und der Vorwurf daher nicht sachlich verifiziert werden kann.
[...] unliebsamen käuflichen däm(li)chen, die auf dummenfang gehen und betäubend bestrickend geld als ikm-schreiber (internet-kontakt-markt-schreiber) verdienen. man findet sie, wie ich aus den erfahrungen eines [...]
Ja, ist eine üble Sache. Juristisch kann man gegen die Auftraggeber sicher nichts unternehmen. Die Betreiber von Dating-Portalen können sich nur über Ihre AGB absichern (keine gewerbliche Nuzung), um solche Profile wenigstens schnell und ohne Probleme entfernen zu können.
Leider bin ich erst jetzt auf diesen Beitrag aufmerksam geworden, sonst wäre mir schon viel früher klar gewesen, warum bei uns so viele Anmeldungen in Schüben gekommen sind. Es schaut so aus, als ob gerade seit Anfang 2011 wieder vermehrt Fakes über solche Agenturen angemeldet werden.
Wir haben als Konsequenz die Neuregistrierung erstmal sogar eingestellt, damit unsere Stammmitglieder nicht belästigt werden!
Ich bin zu der Erfahrung gelangt, dass gut 90 % aller Internetangebote in Bezug auf Partnerbörsen und/oder Erotikseiten lediglich der Gewinnerzielung auf Seiten der Betreiber dienen. Bereits die Anmeldedaten werden über sog. Schwarzbörsen an Adresshändler verhökert, die damit im Zusammenhang stehende IP-Adresse gespeichert und mittels Spiderprogrammen das Surfverhalten kontrolliert, ohne dass der Nutzer oder die so viel gelobten Antivirenprogramme etwas davon mitbekommen. Zusätzlich wird durch die Einblendung von Werbebannern und/oder durch jeden eventuellen Klick darauf Geld verdient. Hinzu kommen sog. Zuckeraccounts, also rein fiktive Profile, welche entweder über IKM-Schreiber oder mithilfe komplexer Texturprogramme (AIGAs) automatisch beantwortet werden. Man kann solche Programme jedoch aufgrund der auffällig vielen Fehler derzeit noch relativ gut erkennen. Generell ist nichts gegen ein Geldverdienen im Netz zu sagen, doch wenn sich ganze Mischpoken nur noch mit Irrepührung und Abzocke über Wasser halten, dann fängt es an, ordentlich zu stinken. Mein Rat; Seiten mit Anmeldeprodezur vermeiden und für jede eventuell doch vorgenommene Anmeldung eine eigens für dieses Portal neu erstellte eMail-Adresse verwenden. Kommt dann nach einigen Tagen erster Spam an, dann kann dieses Portal zu den Akten gelegt werden. Auch auf vermeintliche Zuschriften mit eMail-Angabe nicht reagieren, da hier oft Privatpersonen auf Adressfischzug sind und diese dann ebenfalls verhökert werden. Auf ein Telefonat bestehen und ein Bild mit einem vorher vereinbarten Wort senden lassen, was der- oder diejenige dann in den Händen hält. Dies ist die beste und einzige Versicherung gegen die immer wilder um sich greifenden Fakes und die generelle Veralberung. In diesem Sinne …
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